28. Juli 2009

Tränen aus Prag, Teil I


Heute möchte ich euch von einem der Abenteuer erzählen, die Wanda und ich auf unseren Reisen im wilden Uropa erlebt haben. Wir waren eingeladen am Hofe eines kleines lokalen Fürstentums südlich der Ferroberge und kamen am Abend in einer großen Stadt an, die wir durchreisen mußten. Weil es schon dunkelte, dachten wir uns, daß wir ein wenig Pause machen könnten. Die Stadt war sehr schön und wirkte mächtig und da der Besuch sowieso erst in einigen Tagen erwartet werden würde, hatten wir genug Zeit.

Beim Aussteigen aus der Eisenkutsche fiel uns schon auf, daß die Stimmung drückend war. Die Leute schauten alle auf den Boden und schlurften ein wenig durch die Gassen. Wir wollten uns gerade an einen Bürger heranpirschen, als uns ein Schepperbär aufhielt. Er trug eine Trommel auf dem Rücken, hatte sich die Trommelstöcke an die Ellebogen gebunden und hielt Cymbeln in seinen felligen Tatzen. Mit der Lautstärke konnten wir ihn schlecht ignorieren. Es dauerte eine Weile, bis wir das Scheppern verstehen konnten, die Sprache war doch sehr eigentümlich und klang in meinen Ohren hart. Glücklicherweise sprach Wanda die Sprache sehr gut und klärte mich auf, daß es wohl eine Nixe in der Stadt gäbe, eine Undine, die sehr unglücklich sei.

Nun sollte man wissen, daß Undinen nicht gerade den besten Ruf haben und von Menschen eher gemieden werden. Diese aber wollte in dieser Stadt, die ihr auch so sehr gefiel, gerne wohnen und legte deshalb ihr gewöhnliches Tun ab um ganz den lokalen Gepflogenheiten nachzuleben. Sie wohnte in einer kleinen farbenfrohen Grotte nahe der Moledau, also nahe des Flusses wie bei Nixen so üblich. Allerdings waren ihr einige Bürger nicht ganz so wohlgesonnen und ärgerten sie. Aus ihrer Grotte seien ein paar Schmuckstücke gestohlen worden und nun habe die Grotte ihre Farben verloren und wirke ganz bedrückend und leer. An sich würde die Undine dann wieder weiter ziehen. Aber wie ich schon sagte, würde sie gerne bleiben. Ein Dilemma.

Weil sich aber an der Situation nichts ändern ließe und traurige Undinen eher unangenehm für die Landstriche werden, müsse man unbedingt mithelfen, die Schmuckstücke wiederzufinden. Sonst würde es ein schlimmes Ende nehmen. Bei all dem Geschepper war ich dann schon halb taub und merkte kaum das Herannahen eines Wolkengusses, der die Geschichte des Schepperbär noch unterstreichen sollte. Wanda machte mich darauf aufmerksam und als ich hochblickte, sah ich das Abendpanorama mit den dunklen Wolken über der Burg.


Wir versicherten dem Schepperbär, daß wir uns gerne bei der Suche und Aufklärung des Falles beteiligen wollten und suchten uns eine Herberge.

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