8. April 2010

Ein dunkles Loch


Erst so langsam merke ich, wie sehr ich mich in die Arbeit hineingesteigert habe und was das aus einem macht. Mit der Zusage der Wunschstelle habe ich alle Überstunden gekappt und arbeite nur die notwendige Zeit und habe dann immer wieder ruhige Stunden "übrig". Und ich ertappe mich dabei, daß ich diese mit -nichts- verbringe. Weil mir sowohl Antrieb als auch Ideen fehlen und meine Tastexperimente in die Richtung dieses "Fehlen" das Bild einer kalten und dunklen Ecke zurückmelden.

Gerade in solchen Momenten war ich sehr froh, von Freunden noch eine Bitte bekommen zu haben, für sie was zu erledigen. Weil es einerseits nicht Antrieb für eigene Dinge ist, der mich in Bewegung setzt und das ist für mich leichter, sondern weil es mir den Weg "zurück" zeigt und mich im Glauben läßt, daß es Leute gibt, die manchmal an mich denken und mir mit diesen Bitten Vertrauen schenken.

Luises Roman in Arbeit habe ich Korrektur gelesen und nicht nur fand ich den sehr schön geschrieben, er hat mich an gewisse Dinge aus gemeinsamen Gesprächen erinnert und im Dunkel kleine Funken entstehen lassen. Und Arnold gab unter anderem mir sein neues Drehbuch zum Bewerten. Es ist egal, ob ich das nun gut kann oder halt nur eine weitere Meinung bin, die Funken werden heller. Und dann kam da noch die Vorbereitung zu Neufund hinzu. Zu Beginn war jeder Abschnitt mühsam zu planen und zu tippen, aber Stück um Stück kommen die Ideen und Arbeiten und aus dem Ganzen entsteht ein Plan.

Das Loch war über Ostern deutlich zu spüren, wird aber nach und nach weniger. Ich genieße oder versuche die Stunden zu genießen, die mir nun ohne die Überstunden bleiben und verbringe diese vor allem mit Lesen der Texte oder eben Spielvorbereitung. Derzeit fühlt es sich noch zäh an, wie auf einem Fliegenfänger vorwärts zu kommen aber es klappt ganz gut. Ich sehne den Tag herbei, an dem der Arbeitsvertrag unter Dach und Fach ist und die Zukunft dadurch greifbar wird. Für meine derzeitige Arbeit werde ich auf jeden Fall nichts, aber auch nichts mehr als im Vertrag steht tun. Das habe ich viel zu lange schon mit dem Gefühl des Lochs bezahlt.

4 Kommentare:

Leo und Tanja hat gesagt…

Wenn man die Überschrift liest, macht man sich erstmal spontan Sorgen um Dich. Bis man dann liest, dass ja eigentlich schon eine Lösung in Aussicht ist. Warum ist es so viel leichter, offen darüber zu sprechen, dass man sich schlecht fühlt, wenn das in der Vergangenheit liegt oder man zumindest schon eine Verbesserung vor Augen hat? (=rhetorische Frage an mich selbst). Ich freu mich ganz arg für Dich, und wenn das schwarze Loch sich durch die vielen kleinen Dinge nicht verscheuchen lässt, sag Bescheid und wir lassen uns noch viel, viel mehr kleine Dinge einfallen, mit denen wir es bombardieren. Steter Tropfen - äh, höhlt das Loch? ;)
LG
Tanja

naiko hat gesagt…

ich kann dir das gefühl mit dem loch sehr gut nachfühlen - das passiert eigentlich immer, wenn ich mal zeit habe. ich bin aber zu der überzeugung gelangt, dass dieses loch sehr, sehr wichtig ist. es gibt einem die möglichkeit, sich selber wieder mal zu sehen - und das ist halt nicht immer angenehm.
ich lese aus deinem eintrag heraus, dass du ein bisschen in gefahr bist - und ich hoffe, ich irre! - der neuen firma dann wieder den größten teil deiner zeit und energie zu schenken, wenn es dir dort gefällt.
pass da ein bisschen auf dich auf!
denn dann lernt man auch, das loch gar nicht erst entstehen zu lassen, weil man es dann eigentlich tagtäglich ein bisschen zuschaufelt. :-)

Tine hat gesagt…

Hoi,
ich kenn diese doofen Löcher inkl. Antriebslosigkeit. Aber es wird irgendwann besser. Man muß nur versuchend ie Funken zu fangen. Dann kann es nicht mehr dunkel sein. Daumendrück

Anke hat gesagt…

Ich denke auch, dass das Loch einen Sinn hat. Manchmal braucht der Geist oder Körper einfach eine Pause. Einfach mal nix tun. Ausruhen nach Monaten und Monaten von zu viel Arbeit.
Und wenn es nötig ist, dann auch mal ein paar Wochen lang ausruhen.
So ging es mir vorgestern, als wir nach der Wüstentour wieder im Hotel waren.
Ich wollte nicht im langweiligen Hotelzimmer sein, sondern lieber nochmal kurz an den Strand gehen oder über den souk schlendern. Aber mein Geist und mein Körper waren anderer Meinung. Die hatten noch viel an Eindrücken und wohl auch Anstrengung zu verarbeiten, so dass ich erstmal ein paar Stunden auf dem BEtt gelegen bin und gar nichts getan habe. es wäre wirklich eine große Kraftakt gewesen, mich dort fortzubewegen.

Insofern denke ich, solche "Löcher" sind einfach Zeiten, in denen Körper und Geist ihren Tribut und nötige Pausen einfordern.

wir freuen uns auf dich :-)