4. August 2009

Tränen aus Prag, Teil III


Unsere Spur war leider kalt geworden, das Beutelchen war vielleicht schon über alle Berge und damit auch die Steine der Undine in der Grotte. Wir wußten immer noch nicht warum und wer das getan haben könnte und waren schon ein wenig verzweifelt, wo wir nun weiter suchen sollten. Alles was wir noch erfahren hatten war, daß die Auftraggeber ein seltsam spitz zulaufendes Gesicht hatten und gut gekleidet waren. Da wir müde vom Tag waren, beschlossen wir erstmal eine warme Speise zu uns zu nehmen und nochmal alles zu bereden. Vielleicht würden wir auf neue Ideen kommen.


Die Gaststuben der Stadt waren formidabel. Nicht wenige waren sehr hell und prunkvoll eingerichtet und beherbergten allerlei Volk der Straßen und Wege. Es liefen arbeitsselig Bechermenschen durch die Reihen der Tische und Stühle und brachten Speis und Trank. Diese Bechermenschen waren äußerst praktisch. Sie schienen über und über aus kleinen bis großen Bechern zu bestehen. Überall hatten sie Speisen, Getränke, Gold oder sonstwede Gegenstände darin und waren äußerst geschickt im Austeilen und Abholen und hatten oft schon die passende Bestellung dabei. Ihr Gesicht bestand aus vielen kleinen Bechern und die Stimme war dadurch ganz klapprig aber durchaus freundlich anzuhören. Man konnte sie auch stoßen und stubsen ohne daß sie ihre Fracht verloren und so waren diese die idealen Bediensteten in derlei Gasthäusern.

Wir setzen den kleinen Kreiselschäumer in unsere dunklen lokalen Gebräue; man sagte uns, der kleine Fisch würde dafür sorgen, daß wir immer frischen Schaum auf unseren Getränk haben würden, und knabberten an leckeren Karamelgebäck. Auf den Wegen durch die Gassen habe ich einiges mehr an Bildern gemacht und wir schauten alle aufmerksam durch, ob uns Hinweise entgangen waren oder ob wir durch drehen oder Kombinieren der Bilder neue Sichtweisen der Stadt bekamen. Aber leider hatten wir keinen Erfolg damit. Die Bechermenschen waren auch etwas beleidigt darüber, wie wir Papierstücke so einfach falten und biegen könnten ohne zu fragen. Ich nahm an, daß das hier in der Stadt seltsam wirkt und wir steckten schließlich die Bilder wieder ein.

Der Rückweg zur Altstadt führte uns an der alten Oper vorbei. Ein riesiges Ungetüm aus Stein, dunkel von den vielen Menschen, die am Fuße der Mauern rauchten. Wir konnten uns keinen Reim darauf machen, warum die Leute gerade hier gerne rauchten und ließen es dabei bewenden. Insbesondere weil auch große Trolle mit Hut unter ihnen standen und wir nicht mit dem Regen von heute früh in Verbindung gebracht werden wollten.

Ein wenig abseits gingen wir über eine Brücke Richtung Fluß, nur daß hier noch kein Fluß war. Als ich nach unten blickte, konnte ich Weg um Gasse um Straße sehen bis die Tiefe zu dunkel wurde. Das war wohl eines der berühmten Staßenhäuser, das nur Wege innen hatte aber keine Bewohner. Damit nicht alles so verfahren aussah, wurden diese Art Gebäude oft unterirdisch gebaut, was wiederum die Zwerge anlockte. Wanda stubste mich plötzlich an und zeigte auf etwas Richtung des Flusses.

Man konnte von hier aus gerade noch über den Fluß sehen, der hier in der Mitte eine kleine Insel umfloß. Zwischen Bäumen sah ich hell erleuchtete Punkte, die sich langsam und seltsam rhythmisch bewegten. Die Farbe des Lichtes war genau jene, die uns aus der Grotte beschrieben wurde. Ihre Richtung ging auf die große Karlsbrücke zu, die die Altstadt und die Kleinseite verband und als ich mich an die große Entfernung gewöhnt hatte und langsam Einzelheiten erkannte, traf mich fast der Schlag. Es waren Pinguine, alle im Frack, zwar leuchtend, aber alle sehr adrett gekleidet. Sie hatten alle spitz zulaufende Gesichter.


Ein Zufall hat uns unsere Verdächtigen finden lassen. Jetzt mußten wir schnell sein!

1 Kommentar:

Leo und Tanja hat gesagt…

Wunderschön!
Ich habe den Reiz von Reiseberichten, offenbar ein extrem populäres Buchgenre, nie so ganz verstanden, aber davon hätte ich gern mehr!
Gespannt der Fortsetzung harrend
Tanja