9. November 2009

Zerebrales Defragmentieren


Samstag hat mir zu denken gegeben. Nicht so viel Schlimmes oder derart. Derzeit steige ich Montag ins Flugzeug und egal wie ich mich am Wochenende gefühlt habe, es gibt einen kleinen kaum merklichen Ruck und die Hülle sitzt wieder und ich spule mein Funktionieren ab, das dieser Beruf mit sich bringt. Der Kopf arbeitet derweil und ich tue und sage die richtigen Dinge und manchmal sehe ich mich ...anders... es ist das gleiche Bild oder das was ich erwarten würde, aber doppelt. Da sehe ich ein Bild hauptsächlich als Umrißlinie und ein blasses Bild, das mein Arbeitsbild darstellt und knapp daneben, nur einen Hauch, ein anderes mit weniger viel Umriß aber dafür viel Durcheinander darin.

An solchen Samstagen fühle ich mich wie ich bin. Oder das was ich derzeit als mich definiere. Die Zeit mit Wanda bringt mir viele Erkenntnisse, denn sie hat das Zeug mich so zu reflektieren, wie ich mich sonst nicht sehen kann. Ich weiß, daß ich für Dinge die ich mache oder sage falsche Gesten nutze oder die falschen Worte spreche. Wanda spricht dann von einem Kauz. Lange wußte ich nicht was das ist, aber das stößt Leute vor den Kopf und ich wußte nicht warum. Meine jugendliche Sozialisation war anders als die "Norm" aber erst jetzt erkenne ich, was Norm bedeutet und wo ich leicht daneben liege. Man versteht mich nicht. Man versteht mich falsch. Ich verstehe andere falsch. Ein teuflischer Kreis, wenn er zu lange dauert und wenn er zu intensiv ist. Verletztend wird.

Derzeit verändert sich ein wenig in mir. Es wird mir bewußt, wie ich Leute behandelt habe und wie ich mit ihnen geredet habe und entdecke Hinweise, was ich eigentlich ausdrücken möchte und ausdrücke. Ich bin vorsichtiger geworden mit meinen Worten, weil ich diese Sozialisation verstehen will aber nicht andere verletzen. Wenn ich nur immer Montags mein Wochen-Ich auspacken würde ohne aber diese Reflektion von Wanda gehabt zu haben, hätte ich das Gefühl mein Durcheinander von "Ich" zu verlieren. Das Wochenende reicht nicht um das leicht andere Bild leben zu lassen, es würde verschwinden. Und auch wenn der Samstag ein gemischtes Bad an Gefühlen für alle war, so spüre ich mich in solchen Momenten deutlich und bin glücklich darüber. Es gibt das Bild noch und es entwickelt sich weiter, im Kreis meiner Freunde und mit Wanda.

Ich möchte meinen Freunden die Hand reichen und ihnen zu verstehen geben, daß es mehrere Bilder von mir gibt und ich das Durcheinander verstehe. Ich will es nicht ordnen aber ich möchte mit dem was ich ausdrücken will nicht verletzen. Das heißt auch lernen, was "normal" ist. Schon die einfache Frage, wen ich zum Geburstag einladen sollte, macht mir Schwierigkeiten. Ich habe mir selten etwas dabei gedacht und einfach ein paar Namen hervorgeholt und das war für mich dann richtig. Oder zum Rollenspiel denke ich nicht daran etwas zum Knabbern mitzunehmen. Es kommt mir nicht in den Sinn. Aber ich möchte entscheiden, was normal in solchen Situationen ist und dann entweder so oder anders handeln. Ein ewiger Lernprozeß.

Mir kam das heute in der Arbeit in den Sinn. Für meine Kollegen bin ich ein fragmentiertes Wesen. Inkohärent und sie sehen Details und ordnen nur diese Details aber sehen kein Wesen. Sie verstehen es nicht und ich habe nun verstanden warum. Natürlich ist es für mich einfach, in mir ein Bild zu sehen aber für andere nicht. Sie sehen den Umriß. Und je länger diese Arbeit dauert und ich mit diesen Menschen konfrontiert bin, desto mehr werde ich zum Umriß. Bis ich endlich am Ende der Woche nach Hause fliegen kann und bis ich dort wieder zum ersten Mal fühle, daß ich mich nicht verliere. Ich glaube, so viel Fremdheit hatte ich noch nie am Stück und solange ich im Hotel bin, bekomme ich das ausdauernd präsentiert. Als das wie mich die anderen wahrnehmen. Und das greift mich zutiefst an bis ich am Ende nur noch aus Ablehnung bestehe.

Ich bin Idealist und das was ich derzeit als Figur spiele, tatsächlich in der Art zum ersten Mal spiele, ist das Bild das ich derzeit nicht anders darstellen kann aber das das beinhaltet was ich ausdrücken will. Und so wie die Figur keine Worte nutzt sondern Gesten, muß ich lernen Worte _und_ Gesten zu nutzen. Neben der Art wie ich es derzeit tue. Denn in meinem Umriß steckt etwas drin, Durcheinander, das ich verständlich machen will.

1 Kommentar:

Tine hat gesagt…

Interessante Gedanken...
Nachdenkliche Gedanken...
Aber ich finde auch irgendwie gute Gedanken :)