5. November 2007
Hamburg bei Nacht
Letztes Wochenende war ein Kumpel aus dem Sauerland zu Besuch und zusammen mit einem Kumpel aus Hamburg haben wir und habe ich zum ersten Mal den hiesigen Großstadtdschungel kennengelernt.
Der Kiez, die Hafenstraße, die Reeperbahn und St. Pauli. Vorher das Schanzenviertel und die jeweiligen Institutionen dazu. Das Café Oriental, der blaue Peter, die rote Flora.
Doch gestartet sind wir im Down Under. Während in anderen Bundesländer das Rauchverbot in Gaststätten und Bars in Kraft getreten ist, gilt hierzulande noch die freie Wildbahn. Da habe ich es besonders genossen, daß im Down Under gilt: "Smoking is only allowed at the bar". Rauchfrei essen! Ein Traum. Leider heißt rauchfrei auch, daß man langsam die anderen Gerüchte der Kneipe mitbekommt und die sind ganz sicher nicht angenehmer.
Der Kiez ist dagegen ein reines Tollhaus. Massen, wirkliche Massen von Leuten, Horden von Prolls und Vergnügungssüchtigen strömen am Abend in die Straßen, Gassen, Kneipen und Schuppen um sich dort diversen Vergnügungen hinzugeben. Das übliche XXX-Gewerbe neben Bierbars und zwielichten Häusern. Und überall wird man von Leuchtreklame, Getöse und Gehupe umgelenkt.
Vieles war am Abend londonesk, die Trauben von Leute von einem Lokal in das nächste gezogen, das Ambiente der Kneipen und Läden wenn die Menschen aus Mangel an Platz einfach mit ihrem Bier auf die Straße gehen und dort ratschen. Die dunkleren Hintergassen mit Afrikanern, die einem ein Tütchen verkaufen wollen. Ein wenig Leicester Sq in Hamburg.
Ausgeklungen ist der Abend in einem abgerissenen Gemäuer mit billigem Gesöff und gemütlichen Couchen, während wir der Hamburg Pärchen-Meisterschaft im Kicker-Fußball zugesehen haben. Dort habe ich eine offensichtlich schizophrene Frau getroffen, die mehrere Stunden lang mit sich selbst geredet und offensichtlich damit total viel Spaß hatte. Es erinnerte mich an eine Zeit, als ich mich in London beworben hatte und auf mein Interview im Moustard Seed Café gewartet und dort eine zeitlang mit einem ebenfalls offensichtlich schizophrenem Mann auf englisch eine nette und total abgedrehte Konversation hatte.
Als ich rauskam aus der Kneipe, merkte ich daß es eine Schwulen- und Lesbenkneipe war. Jetzt weiß ich auch, warum wir dort noch als letztes einen Platz gefunden hatten.
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